Gestaffelte Wiederaufnahme des Unterrichts für ausgewählte Klassen des 1. und 2. Ausbildungsjahres ab 14.05.2020

Albrecht Dürer

Albrecht-DüŸrer-Berufskolleg – wir tragen einen großen Namen

Am 17. Dezember 1970 entspricht der Rat der Stadt DŸüsseldorf dem Wunsch des Lehrerkollegiums und der damaligen Schulleitung und verleiht unserer Schule den Namen „Albrecht-DüŸrer-Schule“.
Warum gerade Albrecht DŸürer? Welche Bedeutung kann eine KŸünstlerpersöšnlichkeit der Renaissance füŸr unsere Kolleginnen und Kollegen, fŸür unsere SchŸülerinnen und SchüŸler, für ein modernes, gewerblich-technisches Berufskolleg im Rheinland haben? Antworten auf diese Fragen finden wir in der Betrachtung der LebensumstäŠnde und WesenszüŸge des KŸünstlers.
1484 zeichnet sich der dreizehnjäŠhrige DüŸrer im Halbprofil, das Gesicht wirkt noch kindlich, aber schon unverkennbar und detailgetreu, die Darstellung lässt offensichtlich einen Hang zur Perfektion erkennen.
DüŸrer, der Goldschmied werden soll wie sein Vater, aber eine Neigung zur Malerei verspüŸrt, fŸügt seiner Ausbildung in der väŠterlichen Werkstatt seit 1486 eine Lehre bei Michael Wohlgemut hinzu. Wohlgemut ist Maler und Meister des Holzschnitts und gilt als wichtigster Vertreter der Šlteren fräŠnkischen Schule. DüŸrer trifft in seiner Heimatstadt NüŸrnberg auf einen geistigen Raum, in dem Bildung ein Statussymbol ist. Studierzimmer, TagenŸücher, Ahnentafeln, Portraitbilder, Briefwechsel sind im NüŸrnberger Patriziat in Mode. Die Stadt ist das Zentrum des europäŠischen Handels. Sie verfŸügt Ÿüber das Privileg, mit 70 weiteren StäŠdten zollfreien Warenaustausch füŸhren zu düŸrfen. Ein stetiger Strom venezianischer Luxusartikel fließt in die LäŠden, auch Kunstwerke der italienischen Renaissance, die der wissensdurstige junge DüŸrer begeistert aufnimmt.
Schon vor der späŠteren Begegnung mit italienischen Renaissancegrößen wie Bellini und Giorgione hat DüŸrer den Ehrgeiz, die deutsche gotische Malerei zu Ÿüberwinden. Auf seinem Weg dorthin wird er ein moderner, trickreicher Kunstunternehmer. WŠährend seiner Gesellen- und Wanderjahre lernt er die kommerziellen und küŸnstlerischen Mšöglichkeiten der neuen Medien seiner Zeit kennen: Holzschnitt und Kupferstich. Er macht sie zur Grundlage seines geschŠäftlichen Erfolgs. Um seine in Serie hergestellten Kunstblätter in großem Stil auf den Markt zu bringen, feschŠäftigt er Kolporteure und „FüŸrlegerinnen“, die seine Drucke in den deutschen Metropolen anbieten. Seine „Apocalipsi com figuris“, eine illustrierte Johannes-Apokalypse von 1494, ist der erste Kunstbestseller der Neuzeit.
Dazu passt, dass der clevere Unternehmer DüŸrer die Notwendigkeit erkennt, seine Urheberschaft durch ein einfaches, unverwechselbares Markenzeichen schŸützen zu mŸüssen.
Schnell verdient er mit „gemeinem gmŠäll“, also einfacher Gebrauchsmalerei und -grafik, mehr Geld als mit dem fleißigen Malen aufmŠändiger Portraits und Altarbilder. Dennoch arbeitet er mit Leidenschaft und in intensivster Auseinandersetzung an seinem Ziel, die Gotik hinter sich zu lassen. Dabei Ÿüberschreitet er Grenzen, kompositorische wie technische. Um feinere Texturen zu erreichen, malt er mit Fingern und Handballen oder setzt den Griff seines Pinsels ein. Er spritzt Löšsungsmittel auf Portraits, um Verletzungen der Haut sichtbar zu machen.
Bald ist DüŸrer füŸr die italienischen Maler seiner Zeit ein Vorbild, der Meister der Linie. Von seinem internationalen Renommee zeugt allein die Tatsache, dass seine Techniken vielfach kopiert werden. Doch auch das Wesentliche seiner Kunst, die KreativitätŠät, die „freie hant“, die sich Ÿüber malerische Konventionen hinwegsetzt, wird verstanden und verinnerlicht.
In NüŸrnberg hat man schnell begriffen, dass der wissbegierige Emporköšmmling, der seine individualistische Arbeitsweise gegen die Werkstattkollektive der Gotik setzt, nicht nur eine außergewšhnliche Begabung hat, sondern auch ein cleverer Start-Up-Unternehmer ist, dessen Handeln von öškonomischen und ideologischen Motiven bestimmt wird. Das reiche NüŸrnberger Publikum schreit nach kleinformatigen, bezahlbaren Bildern und DüŸrer liefert. Seine Frau Agnes, in ihrem SelbstverstäŠndnis eine emanzipierte Frau und die ideale ErgŠänzung seiner Lebensvorstellungen, steht auf dem Wochenmarkt zwischen Obst- und GemŸsehŠändlern und verkauft die Druckprodukte aus seiner Werkstatt.
So füŸgt sich zu seinem Talent, seiner wachen Beobachtungsgabe, seiner Klugheit, seinem absoluten Anspruch an ProfessionalitäŠt und seinem Mut, Grenzen zu Ÿberschreiten und Neues zu erproben auch die Gabe, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Sichtbarer Beweis seines beruflichen und gesellschaftlichen Erfolgs ist das „Selbstbildnis im Pelzrock“, in dem er seinen Anspruch auf Gleichrangigkeit gegenüŸber der italienischen Konkurrenz manifestiert.
DŸürer malt die Großen seiner Zeit. Er verkšörpert die Figur des Malerfürsten in idealer Weise. Dabei ist er sich seiner familiŠären und gesellschaftlichen Verantwortung zeitlebens bewusst. Seine Mutter Barbara verbringt ihre letzten Lebensjahre in seinem Haus. Kurz vor ihrem Tod zeichnet er sie in einer der eindringlichsten Bildnisstudien der Kunstgeschichte. Seit 1509 bestimmt DüŸrer als gewäŠhltes Mitglied im Großen Rat der Stadt die Geschicke NŸürnbergs mit.
Als er 1528 stirbt, hinterlässt er neben seinem reichen Schaffen auch ein beträŠchtliches Vermšögen und einige LehrbŸücher, in denen er seine Šästhetischen und technischen Erkenntnisse und Erfahrungen der Nachwelt hinterläŠsst. So erweist er sich auch als Wissenschaftler, als lebenslang Lernender.
RŸückblickend wird deutlich, wie passend der Wunsch des Kollegiums aus dem Jahr 1970 gewesen ist: Das Albrecht-DüŸrer-Berufskolleg wird von jungen Menschen besucht, die ihr kreatives, intellektuelles und bisweilen trickreiches Potenzial auswuschšöpfen lernen. Wir, die Schulleitung und das Kollegium, köšnnen unseren SchüŸlerinnen und SchüŸlern dabei helfen, sich das Multitalent DüŸrer zum Vorbild zu nehmen. Wenn uns das gelingt, haben wir unserem SelbstverstäŠndnis von Schule entsprochen.